Härte war sein Gütezeichen

Heiner Müller über Stoa, Anarchie, Drogenerfahrung und die vier Elemente

Dauer:
00:24:10
Datum:
12 Nov 2012
Sendung:
Ten to Eleven
Sammlung:
Heiner Müller
Mit:
Heiner Müller

Beschreibung

Stoizismus bestimmt Heiner Müller als Versuch, mit der Anarchie umzugehen. Am Beispiel Erich Honeckers zeige sich ein „aufgezwungener Stoizismus“. Müller schließt sich einem Satz Goethes an: Gott möge ihn davor schützen, sich selbst zu erkennen. Das, so Müller, sei für ihn stoisch.

Beim Stichwort „Patriotismus“ im Sinne von: „Wofür riskiert man notfalls sein Leben?“ fällt Müller zunächst nur etwas „Dummes“ ein: seine Tochter. Im Sinne von „Maeeutik“, Sich-Mühe-geben, ist Müller ein Patriot des Theaters. Jedenfalls kann sich Müller „Patriotismus“ nur kleinteilig vorstellen: „Patriot eines Satzes“.

Die Entlassung aus der NVA, also der Verlust des Vaterlandes, hat viele Offiziere krank gemacht. Spielen sich die Tragödien des Ostens nur noch physisch ab, weil sie öffentlich nicht mehr ausgedrückt werden können? Das, sagt Müller, sei schon in Ovids „Metamorphosen“ derselbe Mechanismus.

Im Zusammenhang mit veränderter Körperlichkeit schildert Müller ausführlich sein verändertes Körperempfinden und seine Außenwahrnehmungen nach der Einnahme von Drogen: Er sah Menschen auf Schienen, hatte dann ein Gefühl der Rückverwandlung in voneinander nicht recht getrennte Tierkörper, fühlte sich wie eine Raubkatze usw.

Kluge fragt Müller nach Erinnerungen an Erlebnisse und Empfindungen im Zusammenhang mit den vier Elementen (bei Regen, Wind, Feuer, in der Landschaft). Müller erzählt aus verschiedenen Abschnitten seines Lebens: das Kindheitserlebnis eines Blitzeinschlages, der Feuer auslöst, seine Reisen mit Sondererlaubnis in die USA und Japan, der Wind über der Landschaft des Grand-Canyon und die Nicht-Identifizierbarkeit des Windes in Tokyo, das Aufeinandertreffen mit einem Mann, der ihm, mitten im Platzregen, eine Szene aus „Huis Clos“ von Sartre erzählt.