Mozart und die Utopie der Liebe

Wie ermordete Liebende einander im nächsten Leben wiedererkennen

Dauer:
00:23:35
Datum:
17 Nov 2003
Sendung:
Ten to Eleven
Sammlung:
Heiner Müller
Mit:
Müller's circle: Jean Jourdheuil

Beschreibung

In dieser Sendung spricht Alexander Kluge mit Jean Jourdheil, Mark Lammert und Claudio Rizzi über ihre Umsetzung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Gärtnerin aus Liebe“ im Jahre 2003 an der Staatsoper Stuttgart. Gezeigt werden abwechselnd Gespräche, Videoausschnitte der Oper und vorgetragene Textpassagen.

Im ersten Teil spricht Kluge mit dem Korrepetitor Claudio Rizzi über die Wirkmacht von Mozarts Musik. Bei der Komposition der Wiederbegegnung der Figuren „erfand“ (Kluge) Mozart die Pulsation. Die Ohnmacht Sandrinas - von einer relativ konventionellen Musik begleitet - wird abgelöst von einer durchgehenden Pulsation in verschiedenen Harmonien während des Auftretens der weiteren Figuren, wobei Mozart das musikalische Skelett immer beibehält, es aber für jede einzelne Person ein wenig modifiziert.

Der Regisseur Jean Jourdheil verweist auf psychologische Aspekte, die sich in den Figuren aus Mozarts Musikwerk wiederfinden, wie die Ambivalenz und Dissoziation - "Ich liebe dich, aber ich möchte dich töten und ich möchte dich töten, aber ich liebe dich. Wenn beide Gefühle zusammenkommen, so nah, wie sie durch die Musik inszeniert sind, wenn ich so sagen darf, dann ist man schon in diesem Bereich [des] [...] Unbewussten.“ (Jourdheil).

Mark Lammert (Bühnenbild und Kostüme) beschreibt das Jahr der Erstaufführung von Mozarts „Gärtnerin“ (1775) als Geburtsjahr der dynamischen Psychologie, hervorgerufen durch den Mesmerismus, der aus der Auseinandersetzung des Exorzisten Johann Joseph Gaßner mit dem Arzt Franz Anton Mesmer entstand.