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Text: Prof. Dr. Oskar Negt, Philosoph und Soziologe in der Richtung der Frankfurter KRITISCHEN THEORIE, zu den AKTUELLEN STICHWORTEN: Kältestrom in der Gesellschaft, DER FLEXIBLE MENSCH, FRÖHLICHES SCHEITERN, Entwertungsgeschwindigkeit und SOZIALANGST - -

Text: Was heißt: "FRÖHLICHES SCHEITERN in der Risikogesellschaft"? /

Text: Oskar Negt über wildgewordene Warenproduktion

Alexander Kluge: Was ist der Kältestrom in der Gesellschaft?

Oskar Negt: Also, Kältestrom ist eine Metapher dafür, dass die Menschen immer stärker ich-bezogen sich verhalten. Das heißt, dass ihre Interessen in den Vordergrund rücken, und die oberste Norm ihre eigenen Interessen sind, ihre eigene Selbsterhaltung, und damit die Sensibilität gegenüber anderen gemindert wird. Sodass also soziale Kälte etwas ist, was immer auftritt, wenn in einer Gesellschaft eine unruhige betriebsame Konkurrenz unter den Menschen stattfindet um ihre Lebensmöglichkeiten, und jeder für sich arbeitet und sich abdichtet ... also etwas monadenhaft, so wie Leibnitz das versteht. Die Monaden haben keine Fenster und dieser soziale Kältestrom, der sich heute vollzieht, hat etwas mit einem sozialdarwinistischen Kampf ums Überleben zu tun. Und eine Überbeanspruchung auch des Einzelnen, Überanstrengung, dass sehr viele Energien, die früher auch auf Solidarität und auf kollektive Organisationsformen gelenkt wurden, heute privatistisch verengt sind, aufs Private verengt sind. Es hat immer etwas mit diesem Privatisierungswahn in einer Gesellschaft zu tun, dass alle Probleme privat gelöst werden sollen. Und das ist eine Überbeanspruchung der Individuen. Das können die nicht privat lösen. Viele Dinge sind nur kollektiv lösbar. Aber wenn die Gesellschaft wie heute mit dieser Individualisierungsschablone versehen wird, so dass die Machtstrukturen der Gesellschaft gar nicht mehr sichtbar sind, was dahinter steht, dann verlieren auch die Menschen das Verantwortungsgefühl für das, was Gesellschaft ist.

Text: Oskar Negt, Soziologe

Kluge: Es sind mehr Menschen da, es ist mehr Nähe da, und sie sind vereinzelter.

Negt: Sie sind vereinzelter, sind eben fragmentierter. Die sind in sich geschlossener. Sie haben sehr viele Gefühle der Solidarität, wenn zum Beispiel Katastrophen entstehen, als Individuen. Also der Spendenaufwand in unserer Gesellschaft ist in der Summe sehr groß, aber es sind eigentlich immer Katastrophen, für die gespendet werden. Es ist nicht die Sorgfalt für das Gemeinwesen, in dem sie selber ...

Kluge: Also um glücklich zu sein, wird nicht eingezahlt. Aber um Unglück zu mindern, würde man viel bezahlen. Also defensives Verhalten.

Negt: Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein Stück von Unglück, das in diesem Kältestrom liegt, und das das signalisiert, immer mitenthalten ist für die einzelnen. Das Empfinden, dass das auch nicht glücklich macht, diese Individualisierung, sondern dass es eigentlich sinnvoll wäre, sich solidarisch auch in den Nähe-Räumen zu verhalten. Also nicht nur in der eigenen Familie oder einer eigenen Beziehungsarbeit zwischen einzelnen Personen, sondern auch mehr zu tun für kollektive Einrichtungen, zum Beispiel für Jugendliche ...

Kluge: Sie sind ja eigentlich nicht individuell entstanden in der Evolution. Sie sind glaube ich gesellige Tiere.

Negt: Jedenfalls sind sie schon von frühester Zeit an ... also seit dem Neolithikum, wo Dörfer entstehen, wo Tiere gezüchtet werden, bilden sich also Grundelemente des städtischen, also gesellschaftlichen Lebens. Ich glaube, gerade die Tatsache, dass der Mensch von der Natur eher mager ausgestattet ist – also Gehlen hat vom Mängelwesen gesprochen –, zwingt ihn auch im Sinne seiner Selbsterhaltung so etwas wie Sorgfalt auf den kollektiven Zusammenhalt zu richten.

Kluge: Es hat eigentlich nichts mit Rudeln zu tun in der Natur, sondern es ist ein auf Arbeitsteilung angewiesenes Lebewesen und von dort her kulturell gesellig.

Negt: Kulturell. Und die Aufbauprinzipien ... man kann sagen, im neolithischen Dorf, also die Entstehung des Festen, der Befestigungen, der Dorfbefestigung, der Sesshaftigkeit ...

Kluge: Setzt mehrere voraus.

Negt: … setzt einen solchen Austauschzusammenhang und einen gewissen Solidaritätszusammenhang voraus. Und ich glaube, das gehört zum menschlichen Leben, zumal in einer Gesellschaft wie der heutigen, wo die Menschen selbstverständlich gesellschaftlich sozialisiert sind durch Sprache, durch Verhaltensweisen, durch alles, was wir sind, steckt die Gesellschaft in uns.

Text: Das Wort "Flexibilität" wurde im 15. Jahrhundert Teil des englischen Wortschatzes / Seine Bedeutung war ursprünglich aus der einfachen Beobachtung abgeleitet, daß ein Baum sich zwar im Wind biegen kann, dann aber zu seiner ursprünglichen Gestalt zurückkehrt / Flexibilität bezeichnet zugleich die Fähigkeit des BAUMES zum Nachgeben wie die, sich zu erholen, sowohl die Prüfung, als auch die Wiederherstellung seiner Form / Im Idealfall sollte menschliches Verhalten dieselbe Dehnfestigkeit haben, sich wechselnden Umständen anpassen, ohne von ihnen gebrochen zu werden / Richard Sennett, Der flexible Mensch

Kluge: Stichwort Flexibilisierung. Richard Sennett sagt, flexible – das englische Wort – kommt von Bäumen her, die dem Wind ausweichen, die sich beugen können, und dadurch ihr Leben erhalten. Also er sagt, es ist ja zunächst mal eine Form der extremen Anpassung.

Text: Oskar Negt, Soziologe

Negt: Ja. Ich meine, dieser Begriff hat ja heute eine große Bedeutung deshalb, weil vielen Menschen diese Anpassung aufgezwungen ist. Sie müssen alte gewohnte Verhaltensweisen aufgeben und sich marktgerecht verhalten. Flexibilität hat heute praktisch eine Überlebensfunktion innerhalb der Marktgesetze. Insoweit entspricht das ein bisschen also diesem Bild vom Baum, sich anzupassen. Die Schwierigkeit dieses Begriffs, dieses umlaufenden Begriffs, der in jeder Zeitung jeden Tag steht, besteht darin, dass das verknüpft wird mit einem wünschbaren Menschenbild. Der flexible Mensch, der wendige Mensch, der anpassungsfähige Mensch, der Mensch, der schnell Chancen wahrnimmt.

Kluge: Der 4, 5 Jobs im Jahr macht.

Negt: Ja, mehrere Jobs, also Jobs verbindet ... also die alte Berufstätigkeit auch fragmentiert.

Kluge: Der das Eigentum seinem Lebenslauf opfert. Der gibt nicht seine Arbeitszeit her – das wäre traditionell – sondern er gibt die Struktur seines Lebens, die Eigensteuerung seines Lebens her.

Negt: Ja, und da liegt das eigentliche Problem dieser Flexibilitätsideologie, dieses falschen Bewusstseins auch über Flexibilität, weil damit eine ganze Innendimension des Menschen auch mit verloren geht. Der wirklich flexible Mensch, der also urteilsfähig ist und Situationen einschätzen kann, ist auch immer ein Mensch, der eine Art Vorratsbildung hat. Der innengeleitete Mensch ist der wirklich flexible Mensch, und nicht der außengeleitete. Das heißt für die wirkliche Flexibilität, die auch eine Erweiterung der menschlichen Möglichkeiten ist, ist eine Identität des Menschen notwendig. Er muss aus einem Kern heraus abschätzen können, wo er bloß sich anpasst äußerlich und wo er Widerstand leistet. Das heißt, wirkliche Flexibilität ist eigentlich eine Dialektik zwischen Anpassungsfähigkeit, Anpassungsbereitschaft und Widerstand. Und Eigensinn. Und er darf nicht enteignet werden, weil am Ende, und das ist die Kurzsichtigkeit, glaube ich, dieser Flexibilitätsideologen, die ja Richard Sennett sehr entschieden kritisiert. Ganz abgesehen von den sozialen Folgen dieser Flexibilität. In den Vereinigten Staaten – und das beginnt hier in Europa genauso – haben manche Menschen 4, 5 Jobs, also sind in der Arbeitsstatistik drin und trotzdem working poor, also arm – liegen unter der Armutsgrenze. Abgesehen von diesen sozialen Folgen ist diese Flexibilitätsideologie doch darauf gerichtet, so den außengeleiteten Menschen als ein positives Ideal zu sehen. Und das halte ich für gefährlich sogar für die Wirtschaft. Denn eine hochkomplexe Wirtschaft lebt gerade davon, dass Menschen widerständig sind, dass sie auch widersprechen, dass sie in dem, was sie machen, darüber nachdenken und sich nicht nach äußeren Gesetzmäßigkeiten richten. Das heißt, es ist auch ein kurzfristiges wirtschaftliches Interesse, das hier im Spiel ist, wenn man sagt: Flexibilität, flexibility, das sind ... wenn die Menschen wirklich flexibel wären, dass einer, der in Emden in Norddeutschland arbeitslos wird, seine Familie einpackt, nach Süddeutschland geht, und die Marktchancen dort abschließt – so hat es Tietmeyer einmal formuliert –, dann wären die ökonomischen Probleme gelöst … ist trügerisch und häufig auch betrügerisch.

Text: Stichwort: "FRÖHLICHES SCHEITERN" / "Jeder ist seines Glückes Schmid"

Kluge: Es gibt den Ausdruck Fröhliches Scheitern. In welchem Zusammenhang wird das gebraucht?

Text: Oskar Negt, Soziologe

Negt: Fröhliches Scheitern ist ein etwas zynischer Begriff von Leuten, die meinen, wir sind immer noch zu sehr verhaftet den alten Schablonen der Sicherheit, der Berufssicherheit, der Angestelltensicherheiten, der sozialen Sicherheit. Und man müsse endlich da mal dazu kommen, das Scheitern nicht als Angriff auf die eigene Identität zu sehen, sondern es auch zu begrüßen, dass es so etwas gibt wie Verlierer, und man selber etwas verliert ... und sich nicht dafür zu schämen, es zu verbergen, sondern öffentlich zu machen, dass wir es heute mehr mit Verlierern zu tun haben als mit Gewinnern. Insoweit ist das so eine Lehre, die aus der Risikogesellschaft heraus gesponnen ist.

Kluge: Was ist die Risikogesellschaft?

Negt: Jeder Mensch ist im Grunde seines Glückes eigener Schmied. Und wenn er verliert, hat er eben nicht richtig geschmiedet und muss wieder von vorne anfangen und soll begreifen, dass das Scheitern nicht ein Einwand gegen seine Mühe und auch nicht gegen seinen Charakter ist, sondern soll das Scheitern als Chance begreifen, neu anzufangen und anders anzufangen. Das heißt, jeder Mensch ein Unternehmer. Jeder Mensch soll sich unternehmerisch verhalten und Pleiten und Niederlagen sind Lernprovokationen. Ich halte das für eine ziemlich schlimme Theorie, die im Augenblick aufwacht und sich breit macht, weil ja keineswegs das so ist, dass alle Menschen dieselben Risiken eingehen. Und ein großer Manager, der entlassen wird, bekommt ein Gehalt weiter, oder ein Beamter oder ein Intellektueller ...

Kluge: 700.000 Mark Entschädigung ...

Negt: Die fallen nicht ins Bodenlose. Dagegen ein normaler Arbeiter, ein normaler Bankangestellter mit 50, der entlassen wird, der kann keinen fröhlichen Mut entwickeln, wenn er sieht, welche Chancen bestehen also jetzt noch, irgendeinen vernünftigen Arbeitsplatz zu bekommen.

Text: Was heißt: ENTWERTUNGSGESCHWINDIGKEIT?

Kluge: Es gibt den Ausdruck Entwertungsgeschwindigkeit. Was bedeutet das?

Negt: Als Entwertungsgeschwindigkeit kann man bezeichnen die Art und Weise, wie Dinge oder Verhältnisse oder Gedanken einbezogen werden in einen Strudel, in dem nur das Neueste und das Originellste, und das, was es noch nicht gegeben hat, Verkaufswert hat, verkauft werden kann. Das gilt also in der ganzen öffentlichen Sphäre im Augenblick, dass die Suche nach der Intimität, nach dem Rest, was noch nicht bekannt ist, die Medien in einen Aufruhr bringt, in einen betrügerischen Aufruhr, wie wir gegenwärtig sehen, dass viele Zeitungen und Nachrichtendienste auch Betrüger anstellen, die etwas erfinden, die gar nicht mehr recherchieren, sondern einfach Geschichten erfinden. Und diese Entwertungsgeschwindigkeit hat zugenommen. Sowohl im Denken sieht es so aus, dass alles, was modern ist, up-to-date heute, wahrer ist als das, was es in der Vergangenheit gegeben hat. Dieser Modernisierungsschub, ständig immer Neues zu denken. Aber das gehört etwas zu dieser wildgewordenen Warenproduktion, in der eben der Gebrauchswert einer Ware davon abhängt, ob es sie nicht ähnlich schon gegeben hat. Das gilt für Moden und ist im Augenblick ein Zug der Zeit, der sehr fatal die Entwertung der Erinnerung und des kollektiven Gedächtnisses betreibt.

Text: Stichwort: Klassische politische ÖKONOMIE / "Was heißt Robinsonismus?"

Kluge: Die Idee des Robinson, hat die damit etwas zu tun?

Negt: Die Idee des Robinson ist so alt wie eben die klassische politische Ökonomie. Damit beginnen eigentlich alle, also Adam Smith und William Petty und die ... Der Robinson wird als eine Art Ursprungsherd verstanden von wirtschaftlichem Handeln. Aber Marx hat mit Recht gesagt, nur in der Gesellschaft kann sich der Mensch vereinzeln, und der Robinson trägt ja also die ganzen Stocks, die ganzen Aktien ...

Kluge: Die Börsenwerte, die trägt er in sich.

Negt: … die trägt er auf die Insel.

Kluge: Der fängt ja auch sofort an, einen Gewerbebetrieb einzurichten, als wäre er mitten in London.

Negt: Und deshalb ist es nur eine Frage, dass er einen zweiten findet, der Freitag, nicht, Friday ...

Kluge: Den er unterjochen kann. In Freundschaft unterjochen kann. Es ist ja hier keine besondere Kälte auf dieser Robinsoninsel. Denn die Sehnsucht einerseits befeuert ihn wie ein Kaminfeuerchen.

Text: Oskar Negt, Soziologe

Negt: Das ist ja das Fatale, dass im Grunde mittelalterliche Herrschaftsverhältnisse, was die Dichte der gegenseitigen Hilfe betrifft, alles andere als kalt sind. Ganz im Gegenteil, sie sind häufig überhitzt, auch in der Dimension von persönlicher Herrschaft, aber auch natürlich von Durchsichtigkeit von Herrschaftsverhältnissen – für den Beherrschten ist es auch erkennbar, was er abzugeben hat, was er einzuzahlen hat, und was er bekommt – ist in dieser kapitalistischen Gesellschaft doch, wie Marx sagt, sind die Verhältnisse auf bare Zahlung reduziert, und damit entsteht der Schein erhöhter Freiheit und Autonomie. Ich bin auch als Arbeiter freies Vertragssubjekt. Auf der anderen Seite liegt darin, wie Adorno sagt, in der bürgerlichen Subjektivität immer ein Element der Kälte; das heißt also, der Erkaltung gegenüber dem anderen, weil eigentlich die wesentlichen Beziehungen in der kapitalistischen Gesellschaft sind durch Geld und Tausch vermittelt. Das heißt, durch Abstraktion, und sind nicht direkt.

Kluge: Und wenn einer tritt, dann bin ich es. Und wird einer getreten, dann bist du es. Das wäre der Anfang dieses ABCs. Der Soldat, der im Feuer von Verdun vereinzelt da ist. Er rückt aber näher zusammen. Kann man sagen, dass diese Entstehung des Charakterpanzers im Menschen – gleichgültig gegenüber andere, aber kameradschaftlich sozusagen in der Kleingruppe – wie verhält sich das? Ist das ein Kältestrom? Werden Menschen kälter?

Negt: Also je gefährlicher eine Situation für Menschen wird, desto stärker brechen auch Gefühle der Nähe auf. Das heißt, sie werden sich sehr eng zusammenschließen, und umso entschiedener Feindprojektionen vornehmen. Das heißt, den Feind auch in seinen verschiedenen Varianten nicht mehr wahrnehmen, sondern als den Äußeren, als den Fremden, als den Feind sich ausdenken, auch konstruieren, also was der Feind ist – alles was außen ist, ist Feind. Also je angstbesetzter eine Situation ist, desto näher rücken auch Menschen zusammen persönlich, aber desto entschiedener wirkt auch die Front gegen jene, die draußen sind. Und wenn du das Beispiel Verdun nimmst, kann man sagen, in den Schützengräben hat es natürlich – das feiert ja auch Ernst Jünger, nicht wahr – viele menschliche Züge von wirklicher Wärme und Kameradschaft gegeben.

Kluge: Und gleichzeitig die Gesamtheit dieser gepanzerten Menschen sind nachher diejenigen, die den Faschismus auslösen.

Negt: Der Charakterpanzer, der sich hier bildet, ein Verteidigungspanzer, ist ja eine Verteidigungshaut, die angelegt wird, ist für den zivilen und normalen Umgang zwischen Menschen nicht funktionsfähig. Sondern eine solche Charakterpanzerung, wie Wilhelm Reich das dann genannt hat, den Charakterpanzer, den einer sich anlegt, sucht nach autoritären Fixierungen und sucht am Ende auch den Führer, der wieder mit harten Bandagen also diese Menschen in den Kampf führt. Und die Härte, die Kälte, die also im Außenpanzer liegt, die Kälte, die gegenüber den anderen liegt, den Feinden, wird jetzt zu einem Prinzip, zu einem konstitutiven Merkmal der eigenen Persönlichkeit.

Text: "ANGST MACHT KALT"

Kluge: Angst macht kalt, also in jederlei Sinn.

Negt: Ja, und auch Sozialangst, um noch mal auf den Punkt zurückzukommen. Der Abbau der sozialen Sicherungen in den westlichen Systemen, die vor Reichtum überquellen, ist ein gefährliches Element für unsere Gesellschaft, weil es in der Tat eng macht – Angst kommt auch von Enge, und das bedeutet, dass es auch dazu führen kann, wieder Feindpositionen aufzubauen und sich gegen andere zu wenden. Jedenfalls fördert das nicht die Solidarität unter den Menschen.

Text: Was heißt: "FRÖHLICHES SCHEITERN in der Risikogesellschaft"? /

Text: Oskar Negt über wildgewordene Warenproduktion