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Text: Was heißt bei Hegel ERSCHEINUNG, WESEN, FLUSS? / Was nennt er BREITSEITE DER GEWALT? / Was ist Dialektik? / Eine KRITISCHE THEORIE, die das Unterscheidungsvermögen für das WESENTLICHE schärft, sagt der Soziologe Prof. Dr. Oskar Negt, gilt unabhängig von ihrer aktuellen Konjunktur - -

Text: PHILOSOPHIE ZUM FESTPREIS / Oskar Negt: Was heißt bei Hegel ARBEIT DES BEGRIFFS?

Alexander Kluge: Wenn du mir mal beschreibst, was ist eigentlich ein Begriff? Was nennt Hegel einen Begriff? Das ist ja ein komischer Ausdruck: Begriff. Hat mit Greifen zu tun. Besitz ist was anderes, da sitze ich drauf. Ein Begriff. Hegel sagt, der bewegt sich.

Text: Oskar Negt, Philosoph und Soziologe

Oskar Negt: Hegel ist ein sehr sprachlicher Denker, ein sprachbewusster Denker. Wie bei dem Gedanken der Aufhebung erläutert er das auch an Beispielen. Aufhebung also eines Stiftes vom Boden, der Entfernung und des Aufbewahrens, nicht. Irgendwas bleibt zurück und wird angehoben. So ist auch das Begreifen in der Tat etwas, zunächst also etwas Sinnlich-Handliches. Das Greifen der Dinge, das Betasten der Dinge. Deshalb hat der Begriff bei Hegel immer zwei Seiten: er umfasst das Wesen und die Erscheinung gleichzeitig eines Dinges. Das Wesen muss erscheinen. Und Wesen und Erscheinung - wo Wesen und Erscheinung auseinanderfallen, deshalb ist also: Seinslogik, Wesenslogik, Logik des Begriffs, folgt in der großen Logik bei ihm in der Gliederung. Es beginnt mit dem Sein, mit dem, was ... der Phänomene, das Sein stürzt ins Wesen ab, geht zugrunde. Geht in den Grund, sagt er auch, nicht, das Sein geht in den Grund, ins Wesen, und der Begriff fasst beides zusammen. Der Begriff ist das dritte.

Text: G.W.F. Hegel

Kluge: Ein bisschen so, wie Heidegger redet. Von der Sprache.

Negt: Ja, aber ... nein. Heidegger hat das ja verheideggert dann, was Hegel sagt.

Kluge: Aber würde auch Sprache wörtlich nehmen, und den abstürzenden Grund ...

Negt: Aber der Begriff fehlt bei ihm, der Begriff fehlt bei Heidegger. Die dritte Stufe fehlt. Er geht noch nicht einmal ins Wesen rein, sondern die Seins-Metaphysik bei Heidegger, er bleibt beim Sein. Mit dem Lichten des Seins, das Sein spricht mich an. Es bleibt alles in einem vorbegrifflichen Zusammenhang, und der Begriff ist für ihn schon eine Abstraktion des Raunens des Seins. Und diese Ontologisierung des Seins bei Heidegger bezieht sich fast ausschließlich auf die Seinslogik bei Hegel. Auf den ersten Teil. Und die Wesenslogik ist für ihn eben schon ein Verlust. Ist Metaphysik für ihn. Er bricht, er zerbricht die Hegelsche Dialektik zwischen Sein, Wesen, und Begriff.

Kluge: Das musst du nochmal mir erzählen, weil es doch nicht einfach ist. Also das Sein ... Was ist zum Beispiel ein Beispiel für Sein? Was ist das Sein? Ist ja ein sehr allgemeines Wort.

Negt: Also, Sein kann man zunächst einmal nehmen ...

Kluge: Frankfurt Main ist Sein.

Negt: So allgemein kann man das nicht sagen, aber wenn man das hier mit dem Stift nimmt, dann kann man sagen, der Stift in seiner Erscheinungsweise - also wie ich ihn sehe, was ich mit ihm mache, alles, was mit diesem Stift in der äußeren Erscheinung verknüpft ist und was ich sehen kann an dem Stift - wäre Sein.

Kluge: Das heißt also, zum Sein des Stiftes gehört das Igelit, also der Kunststoff und eine ganze Industrie ist hier gegenwärtig in diesem Moment. Das Blau.

Negt: Das ist schon der weitere Schritt.

Kluge: Aber den könnte ich doch gleich machen. Denn ich meine, das habe ich doch gelernt, dass das zum Sein gehört.

Negt: Es ist zwangsweise so.

Kluge: Hier ist die metallverarbeitende Industrie enthalten, hier ist die Fähigkeit, überhaupt zu schreiben. Das sind ja - Millionen Menschengeister waren tätig, um die Schrift zu entwickeln. Mönche haben im Mittelalter meisterhaft geschrieben. Und zum Schluss kommt der Bleistift oder dieser Tintenstift heraus.

Negt: Und das ist also Wesen und Erscheinung zusammen. Das heißt, ich gehe ins Wesen, indem ich auf den Entstehungsprozess reflektiere. Also ich gehe zurück. Ich gehe zugrunde, wie Hegel sagt. Ich geh auf den Grund der Produktion.

Kluge: Und sehe jetzt was anderes als den Blei..., hier diesen Tintenstift.

Negt: Ich sehe den nicht mehr, den Grund, das Wesen. Das seh ich nicht mehr. Sieht man die Produktionsprozesse, was notwendig ist geschichtlich, um einen solchen Stift zu konstruieren.

Kluge: Also es sind Millionen Stunden von Arbeitskraft, die aber nur in winzigen Partikeln in diesem Stift stecken. Ich könnte also sagen: Hier begegne ich Menschen. Es ist ein geselliges Beisammensein von ungeheuer vielen Voraussetzungen, die in minimaler partikularer Form nicht wegzudenken sind, ohne dass das entschwände.

Negt: Das ist richtig.

Kluge: Wenn Marx sagt, hier steckt also lebendige Arbeit drin, die jetzt verstorben ist in dem Endprodukt. Aber es waren mal wirklich - also, wenn ich reinschneide, sagt er, käme da wieder das Blut von den Menschen heraus, die es produziert haben. Und das ist ja ein sehr zusammengesetztes Produkt, das auch so etwas Sinnloses ist, wenn du es nur zeigst. Denn ohne dass einer schreibt ... also wenn ein Besucher von Sirius jetzt überlegt: Wozu kann man so ein Ding benutzen? Und warum ist das innen blau? Und warum ist das innen flüssig und außen hart? Und vielleicht findet er das Eckige daran, hier an der Riffelung des Stiftes das Wesentliche. Und weiß gar nicht, was er macht, und versucht, mit der Rückseite, mit dieser Seite zu schreiben, und kann es nicht.

Negt: Also das heißt, eine solche Summe von Erscheinungen, die verweisen dann, wenn ich sie begreifen will, nicht darauf, was ich in den Erscheinungen wirklich als Wesen sehe. So wie Husserl gemeint hat, also Phänomenologie bedeutet die ideierende Abstraktion, wie er sagt. Nehmen wir mal von diesem Stift nur die raum-zeitliche Dimension, dass ich ihn jetzt zeige, weg, dann habe ich das Wesen des Stiftes, sagt Husserl. Die Dialektiker bis Adorno und Horkheimer sagen: Man kann daraus nicht durch Abstraktion das Wesen gewinnen, sondern man muss in die Produktionsprozesse zurück. Wie das Wesen erscheint, wie das Wesen erscheint in diesen Dingen ist wichtig, und in der Tat würde man sagen, ein solcher Stift kann nur in einer historischen Phase entstehen. Also kein Cäsar oder kein Tiberius Gracchus hat so einen Stift gehabt, in dem es kapitalistische Warenproduktion gibt.

Kluge: Mit dem Stift, mit dem Cäsar schrieb, konnte man ihn noch ermorden. Damit kann ich ihn nicht ermorden.

Text: Oskar Negt, Philosoph und Soziologe

Negt: Man weiß es nicht. Erfindungsreiche Leute könnten das vielleicht auch.

Kluge: Ich kann aber sehr viel ... Unterschriften fälschungssicher machen.

Negt: Aber alles, was damit verknüpft ist an industriellen Bestandteilen, ist gleichsam eingebunden in eine spezifische Produktionsweise. Und Marx und Hegel sagen, die Produktion der Erscheinungen, die Produktion der Erscheinungen bedeutet, dass ich einen Schritt zurückweichen muss von dem, was ich unmittelbar sehe.

Kluge: Und nehme in den Begriff die reiche Vorgeschichte auf. Die gehört also zum Begriff hinzu.

Negt: Die gehört zum ... Das Werden. Das Werden gehört zum Begriff hinzu.

Kluge: Und bin ich jetzt noch bei der ersten Phase, das Sein zu betrachten, oder bin ich jetzt schon beim Wesen, auf dem Wege zum Wesen?

Negt: Ich bin auf dem Wege zum Wesen, indem ich nachprüfe, wie ein Produkt, das ich sehe, mit den Sinnen wahrnehme, mit dem ich hantiere, mit dem ich umgehe, wie das entstanden ist, und welche ...

Kluge: Welcher Zusammenhang.

Negt: Ja. Welcher Zusammenhang, welche Zeitverhältnisse eine Rolle spielen. Und der Begriff würde jetzt bedeuten, dass ich Wesen und Erscheinung sehe im Zusammenhang, im notwendigen Zusammenhang. Das heißt, begreifen könnte ich eine solche Sache, eine solche einzelne Sache nur, wenn ich so etwas wie eine Epoche, die Tendenzen einer Epoche begreife. Oder zum Beispiel den Begriff des Nationalstaates, des Staates, der sittlichen Verhältnisse, den Begriff des Rechts habe. Im Begriff sind immer Allgemeines und Besonderes mit enthalten. Es ist nicht einfach, zu erläutern, was ein Begriff ist. Hegel hat einmal gesagt: Wenn man mich fragte, was ein Begriff sei, so ist es sehr schwer, das zu bestimmen, weil man im Begriff eben nichts anderes sehen, sehen und tasten, und wahrnehmen soll als den Begriff selbst. Sobald man einfach sinnlich ...

Kluge: Es ist eigentlich die Bezeichnung eines Arbeitsprozesses, das ist ein Arbeitsprozess.

Negt: Es ist ein ...

Kluge: ... Bewegungsprozess des Gedanken.

Negt: Der Begriff des Rechts. Was ist zum Beispiel der Begriff des Rechts? Im Begriff des Rechts würde bezeichnet sein zunächst einmal die Unterscheidung von anderen Sphären des gesellschaftlichen Zusammenlebens, zum Beispiel der Moralität, würde er sagen. Recht ist nicht identisch mit Moralität. Aber gleichzeitig die Institutionen des Rechts. Wo Recht nur ein Begriff ist, ist er abstrakt. Der konkrete Rechtsbegriff hat es zu tun mit Rechtsprechung. Mit bestimmten Gleichheitsanforderungen. Mit Revisionsfähigkeiten von Urteilen. Das heißt, der komplexe Zusammenhang des Rechts, sowohl in den Erscheinungen der Gerichtsverfassung, wie auch der Vorstellung von Äquivalenz, von Gleichheit, ist in einem solchen Begriff mit gesetzt.

Kluge: Jetzt hab ich mal eine Frage. Immer wenn mir diese Hegelsche Begriffsbildung vorgetragen wurde in meinem Leben, wurde es entweder vorgetragen am Beispiel eines Glases Wasser, was mich nicht interessiert, oder an einem hochkomplexen Begriff wie das Recht, das mich im Moment nicht interessiert. Es interessiert mich in meinem Leben sehr. Und wenn ich ungerecht behandelt werde, interessiert es mich elementar. Aber wenn ich gerade nicht ungerecht behandelt wurde, zu einem anderen Zeitpunkt meines Lebens, ist es ein zu großes Begriffsverhältnis. Wenn ich jetzt an einer Frage, die mich angeht, lernen soll, begrifflich vorzugehen. Als Praxis macht das ja keiner nach meiner Kenntnis. Und auch Lenin hat es nicht gemacht, sondern der bringt ja immer das Beispiel mit dem Tisch vor mir oder das Wasserglas vor mir. Das heißt, ein Schreibender nimmt einen naheliegenden Gegenstand, um zu exemplifizieren, was dieser komplizierte Begriff macht, den er intuitiv sehr wohl anwendet. Denn dass Lenin dialektisch denken kann, analysieren kann, das bis in eine politische Situation vortreiben kann, das glaube ich wohl. Was er aber nicht kann, ist erklären, einem Dritten erklären, was eine begriffliche Tätigkeit macht. Und Brecht karikiert das ja in seinem Beispiel, wie die Begriffe sich bewegen und dasitzen und klappern, schaukeln, Schaukelstuhl ... Das heißt also, offenkundig ist es ein Produktionsprozess, und zwar nicht nur des Geistes, sondern auch ein Produktionsprozess wirklicher Verhältnisse, der selbst, wenn keiner ihn erkennt, stattfindet. Das ist doch wohl, was man einen Begriff nennt. Es können Begriffe ohne menschliche Kenntnis sich entwickeln. Der Begriff der Geheimdienste entsteht als ...

Negt: Ja und Nein. Also, Begriffe sind immer, haben immer Subjekt-Anteile des Erkennenden. Es gibt keinen objektiven Begriff, der von Subjekten fremd wäre. Das ist... Es gibt nichts im Himmel und auf der Erde, sagt Hegel, was nicht zugleich unmittelbar und vermittelt wäre. Unmittelbar und vermittelt. Sinnlich fassbar und vermittelt. Begriffliche Arbeit bedeutet immer, von dem Sichtbaren auszugehen, also von der Erscheinungswelt auszugehen, und die Vermittlungen des Unmittelbaren sichtbar zu machen. Ein Element der Vermittlungen ist immer, dass ich sie denke. Und das ist gerade der Unterschied zu Heidegger, der diese Vermittlungen nicht mehr auf das vermittelnde produzierende Subjekt bezieht. Deshalb spricht Hegel auch beim dialektischen Denken von der Arbeit des Begriffs. Und das ist ein Doppeltes. Die Arbeit des Begriffs bedeutet, der Sache auf der Spur bleiben, sie möglichst so weit zu verfolgen - ob das Recht ist oder Globalisierung oder Flexibilität - so auf der Spur zu bleiben, dass man alle Facetten dieses Wortes entfaltet; das heißt, die Vermittlungen mit einbezieht in das, was Begriff ist. Und trotzdem muss ein Element bei Flexibilität, Globalisierung sein, das für die Menschen anschaubar ist. Das heißt, dass die etwas damit verbinden, was in ihrem eigenen Lebenszusammenhang Gewicht hat. Und für Hegel ist ein Begriff immer die Darstellung eines Widerspruchsverhältnisses. In einen Begriff geht nie ... der Begriff ist nie eine bloße Substanz, also eine einheitliche Substanz. Sondern weil Reflexionsarbeit des Subjekts mit reingeht ...

Kluge: Jetzt sagt er mal den Begriff Augenblick. Wenn du mir den mal ableitest.

Negt: Ich meine, das, was Augenblick ist, ist ja von Hegel auch in der "Phänomenologie des Geistes" analysiert: Das Hier und Jetzt, das augenblickliche Hier und Jetzt, sagt er, indem ich das sprachlich benenne, ist es schon ein anderes Hier und Jetzt geworden. Ich kann das nicht fassen, ich kann das nicht festhalten. Und deshalb ein Begriff Augenblick müsste alle Augenblicke mitenthalten.

Text: Die Hegelsche Sekunde

Kluge: Die Geschichte aller Jetzt steckt im Jetzt.

Negt: ... und vergangenen Jetzt, vergangenen und kommenden Jetzt.

Kluge: Und es muss von den Menschen erzeugt werden.

Negt: Hier und Jetzt.

Kluge: Es muss die ganze Evolution eines Planeten von 4,2 Milliarden Jahren vergehen, um die Fähigkeit eines Menschen um 1802 auszulösen, Jetzt zu sagen.

Negt: Und das ist der Grund dafür, dass Hegel sagt, das Wahre ist das Ganze. Im Grunde haben alle diese Begriffe diese Tendenz, das Ganze zu erfassen. Wenn man Augenblick sagt ...

Kluge: ... sagt man Auge, man sagt Blick, man sagt Mensch ...

Negt: Und damit ist man in einem ganzen Prozess der Begriffsbildung drin, wenn man jetzt nicht in den Begriff gleichzeitig die Differentia Specifica zu anderen Prozessen nimmt. Augenblick ist nicht ...

Kluge: Aber der Prozess Jetzt, eben in diesem Jetzt ...die Kugel hat ihn getroffen. Er ist tot, ja. Und er lebt und nimmt das jetzt wahr. Das wäre ein Jetzt. Ein Unterschied, ein massiver Unterschied. Wenn ich mir also vorstelle, Störtebecker ist enthauptet worden. Sein Haupt blickt noch um den Bruchteil einer Sekunde seinem Rumpf nach, der an den Gefährten entlangläuft. Das wäre eine Hegelsche Situation. Die könnte er analysieren.

Negt: Ja. Das ist ... es gibt ein Beispiel von Hegel, wo er die Verkehrungen der Begriffe abstrakt und konkret erörtert. Für ihn ist ja konkret das Zusammengewachsene. Also der Mensch denkt konkret, der gebildet ist, der viel weiß. Und derjenige, der ungebildet ist, denkt abstrakt. Das heißt, der Ungebildete denkt in isolierten Merkmalen. Und er erläutert das an einem sehr späten Beispiel: Eben ein Mensch wird zur Hinrichtung gefahren. Und er sagt, dann stehen also die Menschen herum, und die Frauen sagen, was für einen hübschen Kopf er hat. Und Christen flechten ihm Kränze, und jeder gibt ein Merkmal des Betreffenden, und er sagt, die denken abstrakt. Während derjenige, der seine ganze Bildungsgeschichte rekonstruiert - wie es zum Verbrechen kommt - konkret denkt, und das ist der begriffliche Denker.

Kluge: Also Aufsteigen von der Abstraktion zur Konkretion.

Negt: So ist es. Oder heruntersteigen vom Abgezogenen zum wirklichen Boden. Es gibt nur Annäherungswege zu dem, was Begriff ist. Hegel ist selber gefragt worden, also von seinen Studenten: Was ist denn ein Begriff? Was kann man sich darunter vorstellen unter einem Begriff? Und er sagt, das ist natürlich nicht sehr befriedigend, nichts weiter als ein Begriff selbst. Und das bedeutet: Am besten kann man sagen, es ist ein Produktionsprozess, in dem möglichst alle Seiten einer Sache zur Geltung kommen. Und da diese Sache, wenn sie in einen geschichtlichen Vorgang einbezogen ist, sich verändert, müssen gleichzeitig an einem Begriff Grenzlinien bestimmt werden, damit er nicht zerfließt und nicht jeder Begriff auf die Totalität gerichtet ist. Es ist also ein Produktionsprozess, ein intellektueller Produktionsprozess, der die Objekte, wie sie sich selbst, wie sie von sich selbst, wie sie sich selbst verstehen würden, wenn sie sich verstehen könnten, aufnimmt. Deshalb sagt er: Der Dialektiker hat das reine Zusehen. Ein guter Dialektiker muss das Zusehen üben, wie die Dinge sich entwickeln, und das Aufnehmen und Begreifen.

Kluge: Es geht eigentlich davon aus, dass die Dinge lebendig sind, die Menschen lebendig sind, und alles sich bewegt. Also eigentlich wie Heraklit das sagt. Alles ist im Fluss.

Negt: Er verehrt ja auch Heraklit. Dieses panta rei.

Kluge: Und dies auf eine radikale Weise, die die Lernfähigkeit des Menschen als unendlich voraussetzt. Deshalb beginnt ja die große Logik auch mit Sein und Nichts. Und der sagt also, das Sein, das ist einfach, das ist ein, das ist ein Stift, nicht, diese kopula. Und es gibt Leute, die machen aus dieser kopula wie Heidegger jetzt das ganze Sein. Und Hegel sagt, das ist das Dünnste, was es überhaupt in der Verbindung zwischen Subjekt und Prädikat gibt. Das Sein, dieses Sein ist nichts weiter als das ins Nichts übergegangene Sein. Und das eigentliche Werden ist der entscheidende Punkt. Das Werden, die Entwicklung, dass die Dinge sich verändern. Und das Begreifen des ... das Verstehen und Begreifen des Werdens ist der entscheidende Ansatz dialektischen Denkens. Im Unterschied zum festgefügten, ontologischen, unveränderbaren Denken, wie bei Heidegger, wo ein Existential und eine Bestimmung konstant bleiben.

Kluge: Aber aufgehoben in einem Lebenslauf, der zum Tode führt, und deswegen von der Sorge als Motor bewegt, eigentlich etwas verstehen will. Das heißt also, er hat die Bewegung, nur an einer anderen Stelle, also von einem Menschen. Du kannst alles, was Heidegger schreibt, verstehen als etwas, was einen Menschen bewegt, der sozusagen als Sterblicher in einem Lebenslauf steckt, sich gegen eine Technik verteidigt, die unsterbliche Geräte zu erzeugen gesinnt ist, und deswegen sein Leben verdreht. Und von daher ein sehr getreuer Schüler Hegels.

Negt: Nein, ist er nicht. Nein, nein, ist er überhaupt nicht, weil dieses Werden, diese Bewegung, auch das Sein zum Tode, die Existenz, das Geworfensein, die Sorge - alle diese Elemente ...

Kluge: Der Lebenslauf, die Sicherheit, dass ein Sterblicher stirbt ...

Negt: ... vollziehen sich in einem konstant gehaltenen Bogen des Seins. Das Sein, das sind nicht ... das sind Entbergungen des Seins, Entbergungen des Seins sind das. Da spricht das Sein in der Bewegung, das ist ganz was anderes als bei Hegel. Ein solches konstantes Sein gibt es nicht. Am Ende ist gleichsam der absolute Geist, ist der aus dem Strudel, aus der Furie des Verschwindens, wie er sagt, aus der Furie des Verschwindens geborene Zustand des Gesamten.

Kluge: Das ist Hegel. Und wenn jetzt einer käme ...

Negt: Das Sein ist nicht geworden bei Heidegger, sondern man muss das entdecken bei Hölderlin und bei den großen Dichtern.

Kluge: Sagt Heidegger.

Negt: Die haben was vom Zipfel des Seins. Das sagt er nicht, aber so etwa.

Kluge: Aber der Heidegger, so geht er vor. Das ist seine Haltung, und er würde eigentlich über den Status eines Sängers, eines Poeten nicht hinausgehen wollen. Er würde zugeben, dass er Interpret großer Gedichte ist. Das fände er nicht beleidigend. Mit dem Namen Philosoph, ist er eine Art Sänger. Wenn Musik noch zukäme ...

Negt: Aber er würde sagen: Ich interpretiere nicht. Ich horche. Ich horche auf die Stimmen des Seins, das Raunen des Seins.

Kluge: Wie es aber in konkreten Dichtungen, in konkreten Fragmenten des Heraklit, in Texten von Hegel vorkommt.

Negt: Gut. Aber dieselben Texte deutet Adorno ganz anders. Der Dialektiker Adorno deutet diese Texte, also ob da ein Text ist von Eichendorff, oder von Goethe, auch von Hölderlin, da ist nicht das Raunen des Seins im Spiel, sondern da sind die gesellschaftlichen Probleme im Spiel. Die Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft sind unabdingbar verknüpft mit dialektischem Denken. Die spielen bei Heidegger keine Rolle.

Text: Was heißt: ENTEHRUNG der Begriffe?

Kluge: Was heißt Entehrung der Begriffe?

Negt: An sich können nur Menschen entehrt werden, aber Entehrung der Begriffe bedeutet, dass sie in ihrem Substanzgehalt beschädigt sind durch Missbrauch. Also Begriffe, die einmal eine bessere Welt gesehen haben als Begriffe. Wie Freiheit, Gleichheit, auch Brüderlichkeit ...

Kluge: Gerechtigkeit ...

Negt: Viele dieser Begriffe …

Kluge: Pathos der Rechtbehauptung ...

Text: Oskar Negt, Philosoph und Soziologe

Negt: … sind in den Strudel von Kämpfen geraten, gerade auch im 20. Jahrhundert, das ja von den Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts stark lebt. So dass sie von sehr verschiedenen Gruppierungen auch benutzt wurden und in dem Sinne ihre Identität oder Ehre verloren haben, dass ursprünglich nicht gemeint ist, was sie ausdrücken. Also wenn man so einen Begriff wie christliche Nächstenliebe nimmt, die sich auch verbindet mit missionarischen Okkupationen anderer Länder und mit Tötungen im Namen des Christentums, und viele Verbrechen ...

Kluge: Cortez, Pizarro ...

Negt: Cortez, Pizarro, die Inquisition, und so weiter, könnte man sagen: Irgendwie sollte man die christlichen Begriffe nicht mehr in den Mund nehmen. Aber das ist gewiss genauso falsch wie das, worüber heute soviel geredet wird - dass das, was Sozialismus ist, was die Marxsche Theorie ist, alles was kollektiv ist, was Planung ist, dadurch, dass hier eine falsche Realität zusammengebrochen ist, die das benutzt hat, die diese Begriffe als Legitimationsfassade benutzt hat; dass wir uns jetzt diese Begriffe enteignen lassen, weil sie eben beschädigt sind oder entehrt sind, halte ich für fatal, weil auch diese Begriffe ein Anrecht haben, dass man ihre Originalgeschichte festhält. Es gibt eine Art Naturrecht, nach meiner Auffassung, von Theorien und Begriffen, nicht willentlich missverstanden zu werden. Und Horkheimer hat ein sehr schönes Beispiel dafür gebraucht, was entehrte Begriffe sind. Er sagt, ein sehr bedeutender Gelehrter hat einmal gesagt, man könne doch den Begriff Freiheit nicht mehr in den Mund nehmen, da er ja vielfach missbraucht worden sei. Und er sagt, zunächst hätte er gedacht, oh, wie aufgeklärt ist dieser Gelehrte. Dann hätte er aber ein Buch von ihm gelesen und festgestellt, dass in der Tat nicht der Begriff, ondern die Sache aufgegeben ist, geopfert ist, die dahinter steht, und er gewissermaßen für autoritäre Verhältnisse plädiert, und die Freiheitsfähigkeit der Menschen in Frage stellt.

Text: Ein Beispiel das Hegel selbst interessiert

Kluge: Nochmal Stichwort Dialektik. Und Prozess des Denkens bei Hegel. Wenn du mir da nochmal an einem Beispiel von Hegel erläuterst, wie das geht, wie die Schritte gehen, an einem Beispiel, das Hegel selber interessiert.

Text: "Prozess des Denkens"

Negt: Ja, ein Beispiel, das vielleicht einigermaßen plausibel ist, aber nicht weniger kompliziert ist als viele andere Beispiele, ist: Wie bildet sich ein Selbstbewusstsein, wie bildet sich ein Ich des Menschen? Wenn man also an Erziehungs- und primäre Bildungsprozesse ... Identität, wie bildet sich das? Da kann man sagen, es gibt so etwas wie ein Grundselbstgefühl eines Lebewesens, das einfach nur immer angereichert wird. Aber alle Erfahrungen, alle Erfahrungen auch in pädagogischen Dimensionen gehen dahin, dass hier Dialektik insoweit also konkret ist als das, was Ich ist, vom Nicht-Ich, von der Nicht-Identität, was Identität ist, von dem, was es nicht ist, so zentral abhängt, dass in dem Maße, wie ich mich auf die Dinge einlassen kann, also freilassen kann, ich von den Dingen auch etwas zurückgewinne. Und Hegel hat das in der "Phänomenologie des Geistes" fantastisch entwickelt, wie das Subjekt gerade dadurch reicher wird, oder das Ich reicher wird, dass es...

Kluge: ...das Objekt achtet.

Text: Oskar Negt, Philosoph und Soziologe

Text: DAS "ANGSTKLAMMERN DES ICHS"

Negt: ... die Angst verliert, sich durch Einlassen auf das Objekt zu verlieren. Verstehst du, das ist im Grunde die ... das Angstklammern des Ich, sich fernzuhalten von dem ganz anderen, von dem Objekt, das Angstklammern des Ich. Das Ich selbst verarmt. Und er sagt, das ist ein strukturell dialektischer Vorgang. Das Ich ist weder mit dem Nicht-Ich identisch, und die Identität des Ich ist mit dem Nicht-Identischen weder symbiotisch verknüpft noch voneinander zu trennen. In diesem Prozess kommt ein Drittes raus, nämlich ein erfahrungsfähigeres Ich und eine veränderte Sichtweise des Objekts. Das heißt, beide verändern sich laufend gerade, dass in einer Spannung steht ...

Kluge: Dadurch kommt Fluss zustande.

Negt: Dadurch kommt Werden, das ist ein Prozess und eine Anreicherung beider Seiten. Ich glaube, das ist möglicherweise bei Hegel auch das Grundmodell von Dialektik. Wo er sagt, wenn man das dualistisch nehmen würde, als wäre das Objekt nur etwas Äußeres. Das Objekt, die Erfahrung der Welt ist im Innern, und in den Objekten ist ein Stück Ich mit drin.

Kluge: Solange der Planet existiert, sind wir eigentlich Geschwister gewesen, das Ding und ich. Und da wir verwandt sind, sind wir gemeinsam entstanden, und deswegen können wir uns verstehen. Ist das so gemeint?

Negt: So kann man das sehen, so kann man das sehen.

Kluge: Ist eigentlich eine dichterische Haltung.

Negt: Wir sind einfach hier in dieser Welt Gegenstände, auch materielle Gegenstände. Wir sind ja auch gattungsgeschichtliche Produkte einer langen Entwicklung, die wir also aus dem, wie wir uns entwickeln, gar nicht entfernen können. Das heißt, wir sind weder in Symbiose, wir sind nicht im Paradies, wir sind nicht, wir sind nicht Natur. Sondern wir sind gleichzeitig Ich und Natur. Und dieser Prozess zwischen Ich und Natur ist das Grundmodell dialektischen Denkens.

Kluge: Da gibt es einen gütigen Umgang und einen gewalttätigen Umgang, das ist richtig?

Negt: Ja. Und der gewalttätige Umgang ...

Kluge: ... kann nicht dialektisch sein.

Text: Die BREITSEITE der Gewalt

Negt: Nein, der gewalttätige Umgang führt immer dazu, dass sowohl das Ich ärmer wird als auch das Objekt ärmer wird. Die Gewalt, die Breitseite der Gewalt führt zu keiner Anreicherung weder des Subjekts noch des Objekts, sondern zerstört, fragmentiert beide.

Kluge: Und die Vermeidung der Breitseite der Gewalt ist ein Maßverhältnis in der Zeit. Das heißt, wenn ich Geduld übe, achte ich den Gegenstand der Erkenntnis.

Negt: Na, zum Beispiel in der Aufbewahrung dessen, wovon ich beim Lernen ausgegangen bin, ist eine Form der Geduld. Ich bekomme nicht alles aufgehoben, was ich vorher hatte, aber das, was aufbewahrungswürdig ist, muss aufbewahrt werden in einem solchen sich entfaltenden Gedächtnis-Ich, und das bedeutet, dass alle wirklichen Entwicklungsprozesse für Hegel nie eine formalisierte Zeitstruktur haben. Nie Addition von Zeitteilen, sondern ...

Kluge: Es gibt glückliche Momente und gleichgültige.

Negt: Ja, und vor allen Dingen Umwege und auch Abwege des Lernens. Das wirkliche Lernen hat es mit Beziehungen, mit Maßverhältnissen zu tun, in denen die Zeit eine immer qualitativ bestimmbare ist in jeweiligen Situationen.

Text: PLUTO ERDE JUPITER MARS SATURN

Text: Sirius B

Text: Abstand der Galaxien – Zeit

Text: Homer & Hegel als Sänger

Kluge: Man kann in solchen Begriffen von Hegel (a) wohnen, sie sind eigentlich Gegenstand von Lernprozessen, und sie sind eigentlich so etwas wie eine Dichtung. Also die Griechen leben doch von Homer. Den können die auswendig zitieren, und sie orientieren sich danach, ist das richtig?

Negt: Ich weiß nicht, ob alle Griechen das tun. Aber Homer hat für die griechische Kulturgeschichte eine zentrale Bedeutung, weil der Mythos, das ist der Mythos, der ja schon ein Stück von Aufklärung ist, der Mythos als Aufklärer.

Kluge: Und da sind alle Beispiele, die man fürs Leben braucht, wenn man in Not kommt, sagen die Griechen, enthalten. Und jetzt für uns wäre es zum Beispiel als poetische Quelle gut, wenn wir Hegel so nutzen würden als Sänger, ist das richtig? Denn der wird ja philosophisch ...

Negt: Ja, ich meine, das ist eine große Schwierigkeit, in Begriffen zu singen. Also das halte ich für ziemlich schwierig.

Kluge: Wenn man es aber könnte? Wenn man es aber täte?

Negt: Dann würde man eine Dimension unserer Welt ausklammern, in der auch das Singen noch zu begreifen wäre. Also in dem wir gewissermaßen das, was wir tun, auch noch begreifen, und die Frage stellen, warum wollen wir denn unbedingt singen?

Kluge: Aber wir könnten doch im Begriff schwingen. Wir können doch sozusagen mit der einen Hirnhälfte, die der Musik zugeneigt ist, und die nicht mathematisch und nicht auf Verständigung fungiert, aber sehr wohl rhythmisch fundiert ist. Das heißt, ob der Gesang stimmt oder nicht, ob er zu mir passt, ob er meins ist oder was Fremdes, ob es Krach ist oder Musik, das würden wir doch zu jedem Zeitpunkt anders unterscheiden als richtig und falsch.

Negt: Ja, aber die Hegelsche Dialektik ist, wenn man die Worte, die Begriffe nimmt, ob es hier und jetzt oder der Sprung vom Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit ist, im Übrigen ganz ähnlich wie bei Kant, eine poetische Sprache. Aber ich glaube, Hegel würde schon sagen, die Kunst ist ein Teil dieses Bewegungselements von Begriffen, aber daraus einen Sängerkrieg zu machen, wie auf der Wartburg, dass also die Menschen anfangen, sich poetisch auszudrücken, würde nach Hegel eine Rückstufung des philosophischen Begreifens sein.

Text: Johann G. Hamann: An Immanuel Kant "Ein Philosoph sieht auf die Dichter ... wie ein Mensch auf einen Affen --"

Negt: Und was das Große bei Wagner ausmacht, ist eher die Musik alleine. Also da würde ich schon sagen, ich hätte Wagner auch gerne ohne Texte. Und wenn ich jetzt umgekehrt denke, Hegel in Musik übersetzt, darüber habe ich noch nicht nachgedacht ... Das wäre vielleicht ein ...

Kluge: Vielleicht ist das ja Musik.

Negt: Das wäre aber nichts Schlagerhaftes, sondern das wäre - das wäre Bach ...

Kluge: Die ernsteste Rhapsodie.

Negt: Nein, auch nicht Rhapsodien. Das wären Bach'sche Fugen. Aber das ist ... oder das wohltemperierte Klavier wäre das.

Text: Oskar Negt, Philosoph und Soziologe

Kluge: ... des Gedankens.

Negt: Ja. Aber das ist nicht übersetzbar einfach in Schlager. Also Hegel in Schlager übersetzt, kann ich mir nur schrecklich vorstellen.

Kluge: Ligeti, Nono, Boulez, die Komponisten unseres Jahrhunderts könnten statt Dramen hier anzumusizieren, auch Gedanken in ihrer Bewegung erhalten, das heißt, die Gedanken zum Tanzen bringen nach ihrer eigenen Melodie, wäre doch ein Vorsatz.

Negt: Aber ich meine, das ist gerade, Nono und Ligeti und andere sind ja nun keine wirklich sehr populären Komponisten, kann man nicht sagen, sondern haben ihr Publikum, das eine eigene Bildungsgeschichte hat und sie versteht. Der Punkt, an dem wir uns so etwas streiten, ist, wie weit der Hegel nach unten zu bringen ist.

Kluge: Nein, von Hegel ist bekannt, dass er in seiner schwäbischen Sprechweise in seinen Vorlesungen quasi gesungen habe und sich auch steigerte gegen Ende der Vorlesung, und dass man sich diese, in seiner Tonart gesprochen, durchaus rhythmisch und lebendig und wie von einem antiken Sänger vorgetragen, vorstellen kann.

Negt: Also von Hegel berichtet man auch, dass er genuschelt habe. Und das heißt also, dass er geschwäbelt hat, und die Berliner Studenten ihn häufig überhaupt nicht verstanden haben, das heißt, ich bin nicht so sicher, ob er ein klarer Sänger gewesen ist in seiner Vortragsweise.

Kluge: Er ist kein populärer Schriftsteller geworden. Und einige Gedankengänge davon sind doch aber auch dadurch, dass Marx sie weitergetragen hat, von Millionen Menschen in eine Bahnung geworfen worden, so dass es eigentlich das gibt, im kollektiven Gedächtnis gibt es Hegel wirklich.

Negt: Ja, aber eher so ein bisschen auf der Ebene von Thesis, Antithesis, und Synthesis. Also dieses klappernde Gerüst, was er schon kritisiert hat in der Vorrede zur "Phänomenologie" oder in der Einleitung zur "Phänomenologie", wo er sagt: Also wenn man Dialektik jetzt auf diese Dreisprünge bringt, dann hat man ein klapperndes Gerüst, das man überall anwenden kann. Das ist aber nicht mein Denken.

Text: "Denn das Schöne und die Kunst zieht sich wohl wie ein freundlicher Genius durch alle Geschäfte des Lebens und schmückt heiter alle äußeren und inneren Umgebungen, indem sie den Ernst der Verhältnisse, die Verwicklungen der Wirklichkeit mildert, die Müßigkeit auf eine unterhaltende Weise tilgt und ... wo es nichts Gutes [mehr] zu vollbringen gibt, die Stelle des Bösen wenigstens immer besser als das Böse [selbst] einnimmt /" Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, S. 16 /

Text: PHILOSOPHIE ZUM FESTPREIS / Oskar Negt: Was heißt bei Hegel ARBEIT DES BEGRIFFS?

Text: Musik: ON SE L'HEGEL EN ENFER ("Man hegelt sich in die Hölle") EL CABARET GALACTIC POLYHONE ETUDE György Ligeti