Dichter als Metaphernschleuder

100 Minuten mit Heiner Müller

Dauer:
0:24:15
Datum:
16 Jun 1997
Sendung:
News & Stories
Sammlung:
Heiner Müller

Beschreibung

Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, ob der Zerfall der Sowjetunion ein dramatischer Stoff ist. Müller antwortet mit dem Brechtschen Satz, "Das Erdöl sträubt sich gegen die fünf Akte". Er beschreibt die Schwierigkeit, Strukturen oder massenhafte Vorgänge, die nicht an Biografien gebunden sind, dramatisch umzusetzen. Über Müllers aktuelles Projekt, die Bearbeitung der Medea-Geschichte, kommt das Gespräch zurück auf den Zerfall der Sowjetunion. Müller und Kluge reflektieren die politischen und kulturellen Transformationsprozesse, die die Sowjetunion prägen: Die Autonomiebestrebungen der Regionen, das Auslöschen der politischen Utopie des Sozialismus, die Wirtschaftskriminalität. Zum Schluß wendet sich das Gespräch zunächst einer Geschichte von Makavejev zu, die Müller interessiert. Die Skizze einer Tragödie "Der Gastarbeiter" beschreibt die Rückkehr eines Familienvaters aus der BRD nach Kroatien, wo er seine Familie ermordet und nach Deutschland zurückkehrt. Abschließend berichtet Müller von seiner mentalen Vorraussetzung, um Stücke schreiben zu können, seine notwendige "Selbsthysterisierung".