Auf dem Weg zu einem Theater der Finsternisse

"Das Theater muß die Toten begraben" (Heiner Müller)

Dauer:
0:45:06
Datum:
31 Jul 1995
Sendung:
News & Stories
Sammlung:
Heiner Müller
Mit:
Heiner Müller

Beschreibung

Zu Anfang des Gesprächs geht es zunächst um Müllers Pläne für neue Stücke. Er hat Boulez ein Libretto versprochen. Außerdem möchte er den Mythos des Herakles zu einem Stück verarbeiten. Infolge dessen erkunden Kluge und Müller die kulturellen Spuren, die dieser Mythos hinterlassen hat: bei Seneca, in der DDR und der Sowjetunion. Das Gespräch wechselt dann über zu verschiedenen Formen dramatischer Inszenierung: das römische Theater im Vergleich zum griechischen, das elisabethanische Theater, Victor Hugo, Puschkin und Müllers Vorliebe für Kurzdramen. Hieran schließt sich eine Reflektion über die Bedeutung der Dimension Zeit im Theater an. Stücke die sehr kurz sind oder die ganze Nacht andauern, der Zeitpunkt der Pause als stilistisches Element, und wie dies auf die Wahrnehmung von Theater rückwirkt, wird anhand eines Stückes von Schleef und "Hamlet" in Echtzeit besprochen. Diese Reflektion über Grenzverschiebungen im Theater setzt sich fort mit der Besprechung des Stückes "Das Kapital" von Luigi Nono, um anschließend auf den Herakles-Mythos zurückzukommen. Über die Analogie Herakles/Stalin gelangt das Gespräch zu den Unterschieden zwischen Stalin und Hitler. Zum Abschluss werden einzelne Textfragmente Heiner Müllers thematisiert: "Goebbels tritt als Medea auf" und "Die drei Witwen".