Herzkönigin am jüngsten Tag

Gespräch mit Heiner Müller über Patriotismus

Dauer:
0:24:11
Datum:
9 Okt 1995
Sendung:
Ten to Eleven
Sammlung:
Heiner Müller
Mit:
Heiner Müller

Beschreibung

Persönliche Erinnerungen Müllers, Reflexionen über dauerhafte Motive seiner Arbeit, Überlegungen zu seiner aktuellen Produktion, die Todesnähe, in die ihn seine Krankheit bringt, stecken den Horizont dieses Gespräches ab. Müllers Gedanken kreisen um das Bündnis von "Blindheit“ und Kraft, das sich in den griechischen Heldengestalten unterschiedlich ausprägt, das aber auch in seiner eigenen literarischen Produktion vorhanden ist. Den von Kluge ins Gespräch gebrachten Realismus-Begriff wendet Müller entsprechend: sehen könne man Realität nur, wenn sie in Einzelteile zerlegt werde, "Demut“ vor angeblicher Realität sei eine falsche Haltung. Die nun folgenden unkonventionellen, frechen Ideen, wie die Oper zur Sabotierung des Abbildrealismus verwendet werden könne, schließen an die Erfahrungen Müllers als Wagner-Regisseur in Bayreuth vom selben Jahr an. – Aus Anlaß eines Spiegel-Artikels, auf den das Gedicht Herzkönigin am Jüngsten Tag Bezug nimmt, befragt Kluge Müller zum Thema "Patriotismus“. Die Hinweise auf Metaphern aus eigenen Texten – die Französischen Revolution als gestrandetes Schiff – nimmt Müller jedoch nicht auf, er beschließt das Interview mit einem Witz, dessen Pointe Alkoholismus und Patriotismus kurzschließt.Von allen Gesprächen ist dies das assoziativste, das von einem Thema zum anderen springt und die genannten Motive eher umkreist als nacheinander abhandelt. Die Einteilung in Abschnitte verzerrt das.